Wiehl in der NS-Zeit (1933-1945)

Anzeigenseite im Oberbergischen Boten, dem NS-Parteiorgan und zugleich Kreisblatt des Oberbergischen Kreises, vom 30. Januar 1934. <br>
<br>
Bild in GroßansichtAnzeigenseite im Oberbergischen Boten, dem NS-Parteiorgan und zugleich Kreisblatt des Oberbergischen Kreises, vom 30. Januar 1934.

Bild in Großansicht
Unmittelbar nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann auch in den Gemeinden Wiehl und Drabenderhöhe bzw. Bielstein die Verfolgung und Unterdrückung der politischen Gegner. Ein erstes prominentes Opfer wurde der langjährige verdiente Bürgermeister der Gemeinde Drabenderhöhe, Heinrich Brindöpke, den man unter fadenscheinigen Vorwänden und mit gezielten Verleumdungen aus dem Amt drängte - Methoden, die in diesen Wochen und Monaten überall im ganzen Reich Anwendung fanden, um Posten für Mitglieder der Nazi-Partei frei zu machen.

Dies war aber nur der Anfang der nationalsozialistischen Gleichschaltung, die auch in Wiehl und Drabenderhöhe/Bielstein kaum einen Lebensbereich unberührt lassen sollte. Die lokalen NS-Repräsentanten stießen dabei nur vereinzelt auf Gegenwehr. Zumal sich nach dem wirtschaftlichen Aufschwung - Folge einer allgemeinen konjunkturellen Erholung wie der mit Krediten finanzierten Aufrüstungspolitik - und nach der fast vollständigen Beseitigung der Arbeitslosigkeit 1936 auch zunächst eher kritisch eingestellte Bürger zunehmend geneigt zeigten, von den "Schattenseiten" des Regimes abzusehen oder diese dem Treiben untergeordneter Partei-Chargen zuzuschreiben.Die so genannten Polenerlasse vom 8. März 1940 machten den polnischen Zwangsarbeitern (die damals meist Zivilarbeiter genannt wurden) das Tragen von Polen-Abzeichen zur Pflicht - die erste öffentliche Kennzeichnung von Menschen im Dritten Reich. Nach diesem Muster wurden im September 1941 der Judenstern und im Februar 1942 für die Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion das Ost-Zeichen eingeführt.<br>
<br>
Bild in GroßansichtDie so genannten Polenerlasse vom 8. März 1940 machten den polnischen Zwangsarbeitern (die damals meist Zivilarbeiter genannt wurden) das Tragen von Polen-Abzeichen zur Pflicht - die erste öffentliche Kennzeichnung von Menschen im Dritten Reich. Nach diesem Muster wurden im September 1941 der Judenstern und im Februar 1942 für die Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion das Ost-Zeichen eingeführt.

Bild in Großansicht
Das geflügelte Wort "Wenn das der Führer wüsste!" war auch in Wiehl und Bielstein zu hören. Was jedoch kaum zu hören war, das war Widerspruch, als sich in der Nachbargemeinde Nümbrecht die anfänglichen Schikanen gegenüber den jüdischen Einwohnern zu ersten Gewalttaten steigerten. Im Gegenteil: Am Morgen nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurden die Häuser jüdischer Familien in Nümbrecht auch von einem SA-Trupp aus Drabenderhöhe/Bielstein heimgesucht, der dort Zerstörungen anrichtete und Plünderungen verübte.

Im September 1939 löste die Nachricht vom deutschen Überfall auf Polen, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, den örtlichen Schulchroniken zufolge keinen Jubel aus, wie das im August 1914 beim Beginn des Ersten Weltkriegs der Fall gewesen war. Bis 1941 erinnerte in Wiehl und Drabenderhöhe/Bielstein außer Einberufungen und Rationierungen noch wenig an Krieg. Seit 1942 mussten dann allerdings bei Bauern und in vielen Fabriken beider Gemeinden Menschen aus den von Nazideutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen konnten sehr unterschiedlich ausfallen. Aber selbst vergleichsweise erträgliche Verhältnisse änderten für die Betroffenen doch nichts daran, dass ihre Situation weitgehend von Rechtlosigkeit geprägt war.

Zum ersten schweren Bombenangriff im Raum Wiehl-Bielstein kam es am 1. Dezember 1943, womit nun auch hier die Zeit vorbei war, in der man sich vermeintlich sicher vor solchen Bedrohungen hatte fühlen können. Im Vergleich zur Situation in den Großstädten hielten sich freilich in Wiehl die Zerstörungen des Luftkriegs bis zuletzt in Grenzen. Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 11. bzw. 12. April 1945 waren in den Gemeinden Wiehl und Drabenderhöhe/Bielstein die Kriegshandlungen und die Zeit des NS-Regiments beendet.

Weiterführende Links:

Wiehl im Wandel der Zeiten
Unter dem Titel "Wiehl im Wandel der Zeiten" erschien im Februar 1939 eine umfangreiche Beilage zum "Oberbergischen Boten". Der Anlass war die Einweihung des neuen Rathauses in Wiehl. mehr...

Wiehl im Wandel der Zeiten - Teil II
Die Beilage des "Oberbergischen Boten" anlässlich der Einweihung des Wiehler Rathauses im Februar 1939 präsentiert ein beeindruckendes Bild des ersten Wiehler Stadtwappens und einen kurzen Abriss der Geschichte Wiehls. Darin heißt es unter anderem: mehr...
Schließen
Aktuelles Bürgerinfo Freizeit Wirtschaft Sport, Kultur, Bildung
Schrift vergrößern
Version für normale Bildschirme
Schließen