Ulf Wakenius Quartet

(13. Mai 2007) Noch ein Wiederholungs-Täter bei den 18. Wiehler Jazztagen. Ulf Wakenius war bereits 1997 eine Bereicherung - auch zehn Jahre später zelebrierte er wieder herausragenden Jazz.
Ulf WakeniusUlf Wakenius War der Samstag in der Wiehltalhalle kurzweilig und mehr im Entertainment Bereich, so zeigte sich der Jazztage-Sonntag eher als etwas für die eingefleischten Jazzfans, denn das Publikum musste sich erstmal auf die Musik einlassen. Aber bei solch grandiosen Musikern fiel das nicht schwer. Gemeinsam mit seinem Quartett brachte Ulf Wakenius Jazz vom Feinsten auf die Bühne.

Der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius hat mit vielen der wichtigen Größen des Jazz zusammengespielt, und ist seit 1997 der neue "vierte" Mann im "Oscar Peterson Quartet". Mit den drei Musikern, die er mit nach Wiehl brachte, spielt er erst seit einem halben Jahr im Quartett, aber wenn die Chemie stimmt, ist die geniale musikalische Mischung schnell da. Der immer strahlende Pianist Henrik Gunde, ein "Mr. Superdrumming" Morten Lund und Jesper Bodlisen, am Bass nicht nur in den Soli brillant, bildeten mit Wakenius ein klangvolles, facettenreiches Quartett. Doch erstmal demonstrierte Ulf Wakenius alleine, was er so alles aus seiner Gitarre rausholen kann. Die hat er schon seit 25 Jahren und wurde in Amerika beneidet um die "schwarze Gibson", die jedoch eine japanische Kopie ist und nur wenig mehr als 100 Dollar gekostet hat. Da sieht und hört man - es kommt nicht auf das Instrument an sondern auf den Musiker, der es bespielt.

Im Viererpack präsentierten sie dann die Soul-Nummer: "Brazil medley" von Egberto Gismanti. Selbst karibische und japanische Klänge zauberte Wakenius auf seiner Gitarre - im zweiten Teil mit dem von ihm geschriebenen Stück "Japenese calypso". Natürlich hatte Wakenius einige Eigenkompositionen mit im Gepäck. So das "Toronto 2 p.m.", bei dem Schlagzeuger Morten Lund sogar kurze Jonglage-Einlagen gab. Auch die Hommage an den 2005 verstorbenen dänischen Jazz-Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen, mit dem er gemeinsam 1997 in Wiehl gastierte, stammte aus seiner Feder. Dabei brillierte besonders Bassist Jesper Bodilsen mit seinem runden Sound - vielschichtig in den harmonischen Verläufen, komplex in ihrer dynamischen Dichte. Morten Lund und Hendrik Gunde lieferten sich dazu ein Klatsch-Duell. "With respect", ein Song aus der Zeit des NHOP-Trios, eröffnete den Reigen des zweiten Teils, bei dem Drummer Morten Lund selbst den Ellenbogen zur Bearbeitung seines Schlagzeuges einsetzte.

Einige Stücke des Konzertes in der Wiehltalhalle stammten von Keith Jarrett. Ulf Wakenius hat eine Passion für die Schönheit all der Stücke, die Jarrett geschrieben hat. "Er ist einer der drei großen Pianisten in meinem Musikbuch, meine Nummer eins ist natürlich Oscar Peterson, dann kommen Herbie Hancock und Keith Jarrett." Zu der Jarrett-Auswahl in Wiehl zählten "Memories of tomorrow", "De drums" - mit Percussion von Hendrik Gunde auf dem Piano -, "Backhand", die wundervolle Ballade "Everything that lives laments" und zum Abschluss "The wind up".

Als "extra ordinary beautiful song" bezeichnete Ulf Wakenius die von Lars Danielsson komponierte Ballade für dessen Tochter "Asta". Dazu ein köstlicher Einstieg mit Bass und Piano - zum Dahinschmelzen. Der in Esbjerg geborene Pianist Henrik Gunde schloss das Vestjysk Musikkonservatorium als Jazzpianist ab. Seitdem hat er sich als ein gefragter Name der dänischen Jazzszene etabliert und ist jetzt einer der meist beschäftigten Pianisten. Jesper Bodilsen war Schüler von Niels-Henning Ørsted Pedersen und zeigt vorzügliche Interaktionen. Ebenso wie Morten Lund, dessen Schlagzeug viel Energie und Präsenz hat, und der in der musikalischen Konversation seinen Raum findet und beeindruckt mit genialem Spiel.

Ulf Wakenius sagte zu solch einem Zusammenspiel einmal in einem Interview mit musicanslive: "Ich denke nicht zu viel an Harmoniewechsel, sondern folge ganz dem Impuls, der vom Herzen kommt. Das ist wie bei einem guten Gespräch. Du antwortest einfach auf Fragen, egal zu welchem Thema. Und so gelangst du an ganz neue Themenplätze. Und was braucht man noch, damit ein musikalisches Gespräch gut gelingt? "Melodien und Groove sind weitere Schlüsselzutaten."

Der smarte Schwede Ulf Wakenius und seine drei Musiker überzeugten am Sonntagabend mit einer von entspannter Natürlichkeit und exklusiver Eleganz geprägten Virtuosität das Publikum und präsentierten zum Schluss noch den Jazz-Standard "Autumn leaves" - wieder mit genialem Zusammenspiel und wundervollen Solis.

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