Wiehler Jazztage 2007: Hot Jazz Night

(11. Mai 2007) "Jetzt sind wir volljährig!" verkündete Kulturkreisvorsitzender Dr. Erwin Kampf zur Eröffnung der 18. internationalen Wiehler Jazztage. Jazz in all seinen Facetten und das zum 18. Mal - das sind mannigfaltige Highlights in 18 Jahren.
Auch für 2007 hat das Team wieder ein Programm mit einer großen stilistischen Bandbreite des Jazz zusammengestellt. Der besondere Wiehler Charme bestehe im Improvisieren und in der Fähigkeit begeistert zu sein, betonte Wiehls Bürgermeister Werner Becker-Blonigen und überreichte dem Vorsitzenden des Kulturkreises einen "Touris" von Eugen Daub - ein farbenfrohes, postkartengroßes Kunstwerk.

Fröhliche, sozusagen farbenfrohe und ansteckende Musik versprach schon die Stilrichtung für den Eröffnungsabend: Dixie. So startete "The Marching Dixie Men" mit einem fetzigen "Undecided" den Einmarsch in die Wiehltalhalle. Quer durch den Saal zog nicht nur die Band sondern auch die Begeisterung der Zuschauer. Hier hatten sich alle Altersklassen eingefunden - Dixie begeistert nicht nur die älteren Semester. Auch wenn Wiehls Bürgermeister in seiner Ansprache noch sinniert hatte: "Dixie - da denkt man darüber nach, dass man auch mal ein bisschen jünger war". Hot Jazz NightHot Jazz Night Die lockere, ungezwungene Atmosphäre und das mitreißende Spiel der vier Musiker, die zusammen unter 190 Jahre alt sind, ließ den Funken schnell auf das Publikum überspringen. Bei "Bel Ami" fand sich das Quartett auf der Bühne ein und zelebrierte dort ein kurzweiliges Programm. Bombastisch wirkte schon beim Einmarsch das kaum durch die Tür passende Sousaphone vom Siegener Andreas Form. Er entlockte dem Instrument die passenden Töne für den perfekten Sound von "The Marching Dixie Men". Sein Instrument fand im Oldtime- und Dixieland-Jazz der Zwanzigerjahre viel Verwendung. Das 4-saitige Banjo, das auch Eugen Endres spielte, wird vor allem in der Jazzmusik eingesetzt. Der besondere Klang des Instrumentes machte jeden Blues und Swing sehr "Dixie". Mit Trompete und Flügelhorn glänzte Martin Zobel im Kollektivspiel und bei Solis. Mit weichem und sanftem Ton, vor allem auf dem Flügelhorn, erinnert er an die Spielweise Chet Bakers. Der Ennepetaler spielte schon oft auf oberbergischen Bühnen. "Direkt um die Ecke" - in Wiehl - wohnt der Österreicher Stephan Aschenbrenner, der mit seinem Spiel auf dem Sopransaxophon - es handelte sich also nicht um eine goldene Klarinette - und dem Tenorsaxophon brillierte. Das Programm der vier "Marching Dixie Men" spannte sich von lyrisch balladesk bis fetzig und spannungsgeladen, von "Basin Street Blues" über "Honeysuckle Rose" bis zu "I found a new baby". Nach dem letzten Stück ging es "weiter wie geplant" mit der Zugabe "Ain't she sweet" und wären "The Marching Dixie Men" nicht mit einem schwungvollen "Oh when the saint's" aus der Halle gezogen, hätten noch einige Zugaben folgen müssen.

Weiter ging es mit viel Dixie, New Orleans und der gesamten Bandbreite des Swing in der "Hot Jazz Night". Acht gutgelaunte Herren in Nadelstreifen-Anzügen und mit rotem Schlips versammelten sich auf der Bühne. Die "Dutch Swing College Band", ein Garant für Gute-Laune-Jazz auf höchstem Niveau mit jeder Menge fesselnder Standard-Interpretationen von Duke Ellington bis Chris Barber. Die Musiker im besten, gut gereiften Alter rund um Bandleader Bob Karper schafften es von der ersten Minute an mit swingendem Dixie für Stimmung zu sorgen. So mancher im Publikum kannte die Ursprungsband, die 1945 als Amateur-Studenten-Combo angefangen hatte. "Stomp with the DSC" ließ die enthusiastische Atmosphäre in der Wiehltalhalle, die bereits "The Marching Dixie Men" entfacht hatten, nach der kurzen Pause sofort wieder aufleben. Es groovte ohne Ende bei diesem Orchester. Bandleader Bob Kaper, der seit 1990 die "Dutch Swing College Band" leitet und seit fast 40 Jahren dabei ist wies insbesondere auf "unsere Abwehr" hin. Damit meinte er insbesondere Adrie Braat am Kontrabass und Han Brink am Schlagzeug, die einen genialen Hintergrund für die musikalischen Ausflüge der Bandmitglieder legten. Da blieb bei den weltbekannten Rhythmen kein Fuß ruhig. Sie swingten fulminant bei "Panama", boten furiose Klarinetten-Einlagen und auch das "Icecream" fehlte nicht. Die alten Klassiker sauber bestens aufeinander abgestimmt, mit Esprit und Spiellust und in unverkennbar eigenem Sound - da macht es Spaß zuzuhören. Hot Jazz NightHot Jazz Night
Über 500 Jahre alt sind die acht Herren zusammen. Der Jüngste ist Kontrabassmann Adrie Braat, 1986 - als Dreißigjähriger - sprang er für den erkrankten Bassisten bei einer Tournee ein und drei Jahre später wurde er festes Mitglied der "Dutch Swing College Band". Klarinettist und Saxophonist Frits Kaatee, Jahrgang 1938, begann als Elfjähriger auf dem Akkordeon im Orcherster "The Sunny Boys". Seine ersten Klarinetten-Stunden erhielt er von Arie Ligthart, einem ehemaligen Banjospieler der "Dutch Swing College Band". Erst seit zwei Jahren spielt der 74-Jährige Schlagzeuger Han Brink mit, der einen perfekten Rhythmus-Teppich beim Konzert in der Wiehltalhalle bot. Ton van Bergeijks Spiel auf Gitarre und Banjo sind hauptsächlich im Radio, aber auch auf Plattenaufnahmen mit dem "Metropool Orkest" zu hören. Bereits mit sieben Jahren erhielt Pianist Marcel Hendricks Unterricht auf dem Klavier und spielte in diversen Dixie-Bands - seit 2004 bei der "Dutch Swing College Band"(DSCB). Bert de Kort trat mit verschiedenen französischen Jazzmusikern auf, spielte bereits 1968 bis 1977 bei der DSCB und ist seit 1999 fester Bestandteil als Sänger und Cornet-Spieler. Die Posaune, in den Niederlanden auch "schuiftrompet" (= Schiebe-Trompete) genannt, spielt George Kaatee. Die Leitung der "Dutch Swing College Band" obliegt Bob Kaper, der zudem Klarinette und Alt-Saxophon spielt sowie für Gesang und die Arrangements zuständig ist. Für seine besonderen Verdienste als Leiter der Band und für den belangreichen Beitrag in der Entwicklung der Jazzmusik in den Niederlanden erhielt er 1999 die Auszeichnung "Ridder in de orde van Oranje Nassau".

Diese acht Musiker haben nicht nur eine umfangreiche Musikgeschichte vorzuweisen - sie zelebrieren Dixie-Jazz vom Feinsten. In der Wiehltalhalle zeigte jeder Einzelne sein Können und begeisterte das Publikum. Gemeinsam ging es vom "Perdido street blues" über "Lighthearted banjo strings" und "Grandma's spells" bis zu einem grandiosen "High society". Die Liebhaber traditioneller Jazzmusik kamen voll auf ihre Kosten und das Feuer der "Hot Jazz Night" loderte bis zum letzten Ton.

Die Bilderserie wird präsentiert mit freundlicher Unterstützung durch:

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The Marching Dixie Men

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