Wiehler Jazztage 2006: Stacey Kent

(21. Mai 2006) „Jazz vom Feinsten“ zelebrierte die Sängerin Stacey Kent am Sonntagabend auf der Bühne in der Wiehltalhalle.
Stacey KentStacey Kent Nicht zuviel versprochen hatte Oliver Trost mit der Begrüßung: „Sie werden einen wunderbaren Abend haben“. Aber nicht nur die Sängerin war dafür verantwortlich – gemeinsam mit Graham Harvey (piano), David Chamberlain (bass), Matthew Skelton (drums) und dem brillanten Saxophonisten Jim Tomlinson sorgte sie dafür, dass die 17. Wiehler Jazztage ein weiteres Highlight verbuchen konnten.

Es ist unmöglich, nicht von ihrer Stimme gefesselt zu sein. Was an Stacey Kent sofort aufhorchen lässt, ist ihr federleichtes niemals aufdringliches, sondern vielmehr äußerst nuanciert eingesetztes Vibrato und die wenigen, gekonnt eingesetzten Phrasierungen. Bezeichnend ist die Klarheit ihrer Artikulation, auch wenn es manchmal ein wenig nasal klingt, aber das ist auch ein Teil des Wiedererkennungswertes ihrer Stimme. Als ihre musikalischen Markenzeichen gelten: stets makelloser Swing, eine schlafwandlerisch sichere Intonation und ihr einmaliger Umgang mit Texten.

Sie kommt auf die Bühne, mit einem verlegen-verschmitzten Lächeln, die ersten Takte muss sich der Zuhörer an den Klang ihrer Stimme gewöhnen, aber dann kann er nur noch begeistert sein, denn die Ausstrahlung und diese Leichtigkeit, mit der sie singt und auf der Bühne steht ist phänomenal. Spätestens nach ihrer ersten deutschen Ansage, bei der sie darauf hinweist, dass sie diese Sprache schon lange nicht mehr gesprochen hat - „das wird sehr schrecklich sein – o.k., that’s enough“ – hat sie wirklich jeden in ihren Bann gezogen.

Der unverwechselbare Stacey-Kent-Sound dominiert natürlich an diesem Abend und sie glänzt durch perfekte, swingende und superbe Interpretation der Stücke. Mit „Jardin D’hiver” zeigt sie, dass sie in brillanter Weise nicht nur swingende und soulige Nummern singen kann, sondern für französiche Chansons prädestiniert ist. Ein fast acapella-Einstieg, nur mit dezentem Schlagzeug dazu und anschließend ein vorsichtig einsetzender Bass - so gefühlvoll, so eindrucksvoll, dass der Wechsel zur nächsten englisch gesungenen Nummer extrem ist.

Stacey Kent wuchs in New York auf, zog aber nach ihrem Universitätsabschluss nach London, wo sie ihre musikalische Ausbildung abschloss und gleichzeitig als Talent entdeckt wurde. In einem Londoner Jazzclub schnappte sie sich eines Abends kurzerhand das Mikrophon und sang – das Publikum stand Kopf. Kein Wunder, denn nicht nur ihre Stimme ist außerordentlich, sondern auch ihre Ausstrahlung ist grandios.

Ihre Sporen verdiente sie sich bei der Big Band des Hotels Ritz. Sie sang die Musik von Frank Sinatra, Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Doris Day. In dieser Zeit traf sie die wichtigste Person in ihrem Leben: den britischen Saxophonisten Jim Tomlinson. Ihm ist es zu verdanken, dass Stacey Kent beschloss, fortan in London Musik zu machen und nicht in die USA zurückzukehren. Stacey sagt von sich selbst, dass sie im Wesentlichen bloß ein Lied singe, eine Geschichte erzähle und es swingen lasse. Diese natürliche und unkomplizierte Art ist ihre Spezialität. Sie singt mit einer relaxten Sicherheit, respektiert die Absichten des Komponisten, und gleichwohl tönt Stacey charmant und erfinderisch mit ihrem bemerkenswerten Interpretationstalent.

Das neue Album „Lyrik“ von dem Stacey und die Musiker einige Stücke vorstellten – „Corcovado“ oder auch „Cockeyed Optimist“ – ist jedoch Jim Tomlinsons Werk, auf dem seine Frau Stacey allerdings bei elf der 13 Stücke als „Gast“ zu hören ist. Tomlinson ist ein brillanter Musiker, der herrlicher Töne mit seinem Saxophon hervorbringt und eine perfekte Improvisation und Interpretation beherrscht – dies hebt ihn als besonderes Talent aus der Garde der Saxophonisten heraus. Bei „So Many Stars“ erzeugt er Gänsehaut-Feeling mit seinem Spiel. Genial auch das Solo-Stück „Manha De Carnival“, bei dem sich Stacey Kent zurückzog und den vier Musikern die Bühne alleine überließ. Mit kleinen Zwischenrufen brachte sie sich wieder ins Spiel bei „The Best Is Yet To Come“.

Bandmittelpunkt ist eindeutig Stacey, die bei Solo-Parts der anderen Musiker schon mal einen Small-Talk mit dem Bassisten David Chamberlain hält oder ihrem Mann Jim Tomlinson etwas zuruft oder lasziv ans Klavier gelehnt einfach nur die Musik genießt. Jim Tomlinson gibt jedem Stück mit seinem Spiel noch den gewissen Kick und Pianist Graham Harvey schiebt schon mal ein kleines Solo-Stück auf dem Flügel dazwischen. Die Rhythmus-Gruppe David Chamberlain und Matthew Skelton ragen wenig heraus, aber bei “My Heart Belongs To Daddy” liefern sie ein witziges Zwischenspiel.

„Es ist wichtig, dass wir sehr bald wieder nach Deutschland kommen, denn ich liebe diese Sprache, e’coutez“, betont Stacey. Und vor der ersten Zugabe fragt sie das Publikum „Noch mal?“, bedankt sich mit „Das ist sehr nett von Ihnen“ und verrät mit sehr verschmitztem Grinsen in ihrer Muttersprache, dass sie den letzten Satz extra an diesem Tag im Flugzeug gelernt habe. Mit einem sehr anrührenden „You’ve Got A Friend” und zwei weiteren Stücken verabschieden sich die vier Musiker und Sängerin Stacey Kent von einem beeindruckten Publikum, das sie mit anhaltendem Applaus und Standing Ovations belohnte.

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